Der Louvre in Paris gilt als das weltweit größte und wohl auch meistbesuchte Museum. Im Jahr 2025 hat man rund neun Millionen Gäste gezählt. Um der schier endlosen Besucherströme Herr zu werden und um den Komfort zu verbessern, hat der Louvre 2022/2023 eine tägliche Obergrenze von 30.000 Besuchern eingeführt.
Zum Vergleich: In Deutschland kamen 2023 rund 50 Prozent aller 6.780 Museen auf maximal 30.000 Besuche pro Jahr. Etwa 2.200 Häuser davon freuen sich über bis zu 5.000 Gäste jährlich und ganze zwei Museen zählen mehr als eine Million Besuche im Jahr. (Anm. 1)
Strukturen halten nicht Stand, Missbrauch hält Einzug
Aktuell kommt das gewaltige Haus in Paris mit seinen grandiosen Beständen und Ausstellungen nicht aus den negativen Schlagzeilen: Raub der sog. Napoleon-Juwelen (Oktober 2025); Wassereinbrüche in Bibliothek und Ausstellungsräumen haben Artefakte beschädigt (Dezember 2025 bzw. Februar 2026); wiederholte Streiks der Angestellten wegen schlechter Arbeitsbedingungen sowie Mängeln bei Personal, Sicherheit, Gebäude und Technik (seit Dezember 2025). Und obendrein ein Betrug mit Eintrittskarten, der im Laufe von rund zehn Jahren einen Schaden von über zehn Millionen Euro zur Folge hatte – und offenbar niemandem aufgefallen war. Ein Resultat dieser Reihe von Pleiten, Pech und Pannen: Ende Februar 2025 ist Laurence des Cars, Direktorin des krisengebeutelten Musée du Louvre, zurückgetreten. Eine Mitteilung von Präsident Emmanuel Macron aus dem Élysée-Palast spricht von einem „Akt der Verantwortung“: „Dieser erfolge in einem Moment, in dem das meistbesuchte Museum der Welt zur Ruhe kommen müsse und neue Impulse brauche, um die großen Herausforderungen mit Blick auf Sicherheit und Modernisierung anzugehen. Macron danke des Cars für ihr Engagement der vergangenen Jahre.“ (Anm. 2)
Wie betrügt man beim Ticketing?
Im Kern geht es um den langjährigen und offenbar massenhaften Verkauf von gefälschten und / oder überteuerten Tickets sowie um Überbuchungen bei Gruppen.
Mit der Website ticket.louvre.fr betreibt das Museum sein eigenes offizielles Online-Ticketingsystem, das zeitlich festgelegte Eintrittskarten (Time Slots) nutzt, um den Besucherstrom zu steuern. Um die enorme Nachfrage zu bewältigen – rund 90 Prozent aller Tickets werden online abgesetzt – hat der Louvre Partner wie Tiqets, GetYourGuide und Klook & Viator, die als sog. autorisierte Wiederverkäufer den Verkauf an Touristen und Gruppen unterstützen. Die nun aufgedeckten Unregelmäßigkeiten sind offenbar vor allem im Bereich der Gruppentickets entstanden. Im Zuge der Ermittlungen haben die Fahnder am 10. Februar 2026 „wegen des Verdachts eines großangelegten Betrugs mit Eintrittskarten (…) neun Menschen festgenommen und über 1,4 Millionen Euro beschlagnahmt. (…) Zu den Festgenommenen gehörten Touristenführer, zwei Beschäftigte des Louvre sowie eine Person, die verdächtigt wird, das Netzwerk organisiert zu haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.“ (Anm. 3) Die Verhaftungen sind Teil einer seit Juni 2025 andauernden Ermittlungstätigkeit durch die Staatsanwaltschaft, die vom Musée du Louvre selbst über die Unregelmäßigkeiten alarmiert worden ist.
Aktueller Kenntnisstand
„Über Jahre hinweg seien pro Tag bis zu 20 Touristengruppen mit schon benutzten Eintrittskarten in den Louvre geschleust worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Museumsmitarbeiter seien als Komplizen aufgetreten. Manche Reisegruppenleiter hätten Museumsmitarbeitern Bargeld gegeben, um die Kontrollen zu umgehen. Der Louvre hatte Ende 2024 einen Verdachtsfall gemeldet, der zwei chinesische Reisegruppenleiter betraf. Diese seien aufgefallen, weil sie dieselben Eintrittskarten für mehrere Besucher benutzt hätten. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass weitere Touristenführer auf diese Weise vorgegangen waren. Seit Juni vergangenen Jahres ermittelt die Justiz wegen Betrugs, Bestechung, Fälschung und Geldwäsche. Am Dienstag wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei Durchsuchungen etwa 1,4 Millionen Euro beschlagnahmt. Es besteht der Verdacht, dass die Betrüger einen Teil des Geldes in Immobilien in Frankreich und Dubai angelegt haben. Es handele sich um ein „Netzwerk, das Betrug in großem Stil organisiert hat“, sagte ein Museumssprecher. Auch das Schloss von Versailles ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft von dem Ticketbetrug betroffen.“ (Anm. 4) Konkret wurden drei Fahrzeuge sowie 130.000 Euro Bargeld, fast 200.000 Euro auf Bankkonten und mehrere Bankschließfächer mit hohen Bargeldbeträgen beschlagnahmt.
„Um den mutmaßlichen Betrügerring zu überführen, setzten die Fahnder auf Überwachungsmaßnahmen und Abhöraktionen, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Und der Verdacht des Museums bestätigte sich schnell: Die Betrüger sollen demnach Gruppenführungen organisiert haben, die die zulässige Höchstzahl von Personen überschritten, und für die zusätzlichen Teilnehmer überhöhte Preise berechnet haben – außerhalb des offiziellen Ticketverkaufs und zum eigenen Profit. Auch sollen sie Tickets mehrfach verwendet und falsche Tickets verkauft haben. Museumsmitarbeiter sollen Geld dafür erhalten haben, die Gruppen nicht zu kontrollieren.“ (Anm. 5)
Um Verbesserung bemüht
Bislang hat der Louvre nicht erklärt, weshalb der großangelegte Betrug über Jahre nicht aufgefallen ist. Mit Blick auf die Zukunft erklärte das Haus, man sei „mit einem Anstieg und einer Diversifizierung der Betrügereien im Bereich des Kartenverkaufs konfrontiert. Diese Machenschaften haben die Museumsleitung dazu veranlasst, einen strukturierten Plan zur Betrugsbekämpfung einzuführen, der auf einer Kartierung der Betrugsfälle, einer Reihe von präventiven und kurativen (rechtlichen, technischen oder Kontroll-) Maßnahmen und einer Überwachung ihrer Ergebnisse beruht.“ (Anm. 6)
Der museale Plan zur Betrugsbekämpfung umfasst strengere Kontrollen und technische Maßnahmen, darunter ein neues Online-Ticketingsystem speziell für Reisegruppen und Fachleute ein, das die vorherige Plattform ersetzt. Dort wird aktuell gewarnt: „Vorsicht vor Ticketbetrug! Seien Sie beim Kauf Ihrer Tickets für den Louvre wachsam. Beachten Sie die zunehmende Anzahl gefälschter Ticketseiten. Kaufen Sie keine Tickets, mit denen Sie angeblich die Warteschlange umgehen können, und erwerben Sie Ihre Tickets niemals bei illegalen Straßenhändlern. Andernfalls kann Ihnen der Eintritt ins Museum verweigert werden.“
Höhere Ticketpreise für Gäste von außerhalb der Europäischen Union
Auch um die Finanzen des krisengeschüttelten Hauses zu stabilisieren, erhebt der Louvre seit 14. Januar 2026 deutlich erhöhte Eintrittspreise für Besucher von außerhalb Europas. „Nach Angaben des Museums ist der Aufschlag von 45 Prozent – von 22 auf 32 Euro – Teil einer landesweiten `differenzierten Preisgestaltung´. Die Regierung hatte sie Anfang vergangenen Jahres angekündigt. Sie tritt nun an großen Kultstätten in Kraft, darunter Schloss Versailles, die Pariser Oper und die Sainte-Chapelle. (…) Nach der neuen Regel zahlen alle, die weder Bürger noch Einwohner der EU sind, oder von Island, Liechtenstein und Norwegen, den höheren Satz. Der neue Preis gilt für Einzelbesucher aus Ländern außerhalb Europas; geführte Gruppen zahlen 28 Euro. Führungen sind auf 20 Personen begrenzt, „um die Qualität des Besuchs zu wahren“, teilte das Museum mit.“ (Anm. 7)
Unter den rund neun Millionen Gästen, die den Louvre 2025 besucht haben, waren 27% Franzosen und 73% Ausländer, wobei 40% aus außerhalb der Europäischen Union stammten. Die neue zweistufige Preisgestaltung betrifft also zahlreiche Menschen, von denen jedoch etliche mit ähnlichen Verfahren vertraut sein dürften: Venedig erhebt seit 2025 an Wochenenden und stark frequentierten Tagen eine Abgabe von bis zu zehn Euro pro Person; Safari-Parks in Kenia verlangen seit Oktober 2025 höhere Eintritte für nicht ansässige, nicht ostafrikanische Staatsbürger; zum 1. Januar 2026 wurde die Eintrittsgebühr für ausländische Touristen in US-Nationalparks erheblich angehoben und für den Besuch des indischen Taj Mahal zahlen ausländische Besucher in etwa das Fünffache des Inlandspreises. (Anm. 8)
Für den Louvre ist es bei der Vielzahl nun zu lösender Probleme wohl kaum ein Trost, dass die tatsächliche Zahl der jährlichen Besucher/innen eingedenk jener Personen, die wegen des Betruges an den Kassen gar nicht erfasst worden sind, wohl deutlich oberhalb der neun Millionen Gäste liegen dürfte.
Berthold Schmitt, Herausgeber der Fachzeitschrift KulturBetrieb
Anm. 1: Zahlen aus dem Institut für Museumsforschung, Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland 2023, Berlin 2025, S. 42; Quelle: ahnp.ub.uni-heidelberg.de/journals/ifmzm/issue/view/7473; Abfrage: 25.02.2026
Anm. 2: Paris: Louvre-Direktorin tritt zurück, in: MSN, 24.02.2026; Quelle: www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/paris-louvre-direktorin-tritt-zur%C3%BCck/ar-AA1WZcZ0, ; Abfrage: 25.02.2025
Anm. 3: Louvre: Razzia nach Millionenbetrug mit falschen Tickets, in: ZDFheute, 13.02.2026; Quelle: www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/paris-louvre-ticket-betrug-razzia-100.html; Abfrage: 25.02.2026
Anm. 4: Razzia nach Millionenbetrug mit falschen Tickets im Louvre, in: Frankfurter Allgemeine, 13.02.2026; Quelle: www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mutmasslicher-millionenbetrug-mit-falschen-tickets-im-pariser-louvre-200534517.html; Abfrage: 25.02.2026
Anm. 5: Louvre: Razzia nach Millionenbetrug mit falschen Tickets, a.a.O.
Anm. 6: Bei einer Polizeiaktion im Louvre-Museum ist ein groß angelegter Betrugsring zerschlagen worden. Das Museum wurde durch Unregelmäßigkeiten alarmiert und leitete Ermittlungen ein, die zur Festnahme von einem Dutzend Personen führten, in: Euronews, 12.02.2026; Quelle: de.euronews.com/kultur/2026/02/12/louvre-museum-polizeiaktion-ticketbetrugern; Abfrage: 25.02.2026
Anm. 7: Rebecca Ann Hughes & Thomas Adamson, Tickets für Nicht-EU-Bürger. Louvre verlangt mehr von Nicht-Europäern: Diese Sehenswürdigkeiten mit Zweipreissystem, in: Euro News, 16.02.2026; Quelle: de.euronews.com/reise/2026/01/16/louvre-verlangt-mehr-von-nicht-europaern-diese-sehenswurdigkeiten-mit-zweipreissystem; Abfrage: 25.02.2026
Anm. 8: Vgl. Hughes & Adamson, a.a.O.
Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in KulturBetrieb, 2026, S. 58-60.




