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Praxisgerechte Hinweise für mehr Sicherheit

Neue Sicherungsrichtlinien für Museen, Depots und Ausstellungshäuser erschienen

„Wir alle wollten das offene Museum. Jetzt müssen wir uns wieder viel mehr einschließen.“ (Anm. 1)
Marion Ackermann

Da es das Berufsbild „Aufsicht im Museum“ nicht gibt, sollte das Service- und Aufsichtspersonal kontinuierlich geschult werden – schon aufgrund von Fluktuation. Manche Häuser machen das in Eigenregie, andere verlassen sich darauf, dass ihr Dienstleister das abdeckt, und andere wiederum hoffen, dass schon nichts Arges geschehen möge. Was aber bei Fragen rund um die (tatsächliche oder vermeintliche) Kompetenz des Personals auffällt: Während vor einigen Jahren noch das Motto galt „Freundlicher Service steht an erster Stelle!“, heißt es heute „Sicherheit geht vor!“

Die Reihe spektakulärer Einbrüche in Museen wird länger

Bode-Museum, Berlin (2017), Historisches Grünes Gewölbe, Dresden (2019), Rheinisches Landesmuseum, Trier (2019), Museum Singer Laren bei Amsterdam / NL (2020), kelten römer museum, Manching (2022), Keramik-Museum Princessehof, Leeuwarden / NL (2023), Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim (2023), Musée du Hiéron, Paray-le-Monial / FR (2024), Cognacq-Jay-Museum, Paris (2024), Museum für Ostasiatische Kunst, Köln (2024), Drents Museum, Assen / NL (2025), Naturkundemuseum, Paris (2025), Bristol Archives, Bristol / UK (2025), Louvre, Paris, (2025), Oakland Museum of California / Oakland / USA (2025), Musée Romain, Lausanne / CH (2025) und – jüngst – Zilvermuseum, Doesburg / NL und Fondazione Magnani Rocca, Traversetolo / I (beide 2026). Die Aussicht, dies könne so weitergehen, versetzt Museen und Sammlungen weltweit in Unruhe. Und von anderen Risiken bzw. Gefahren wie Naturkatastrophen, Unfall, Schädlingsbefall, Vandalismus, Cybercrime, technisches Versagen oder Brand war da noch gar nicht die Rede … Was also tun?

Prüfung – Korrektur – Prüfung – Korrektur … in Ewigkeit!

Die Gleichung „Einmal sicher = immer sicher!“ wird wohl nicht aufgehen. Im Gegenteil: Sicherheit ist eine Ewigkeitsaufgabe, d.h. sie muss so lange fortgeführt und weiterentwickelt werden, wie es der museale Bewahrungsauftrag vorsieht. Und: Sicherheit ist eine dauerhafte Querschnittsaufgabe, in deren Optimierung möglichst die gesamte Belegschaft eines Museums einbezogen werden sollte.
Da aber die Gegebenheiten und Bedarfe bei jeder Einrichtung anders sind, gibt es nicht die eine große Lösung, sondern verschiedene Wege. Eine Option auch mit Blick auf das Thema Sicherheit ist die SWOT-Analyse: Mit dieser Methode lassen sich Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken) einer Organisation bewerten, um daraus fundierte Entscheidungen für eine Verbesserung abzuleiten.

Am Anfang des Arbeits- und Kostenmarathons für mehr Sicherheit steht der nüchterne Abgleich von IST- und SOLL-Zustand. Während es Verantwortlichen in Kulturbetrieben vielfach recht leichtfällt, das ideale Gehäuse für den Schutz wertvoller Kultur zu skizzieren, tun sie sich hingegen oftmals schwer damit, den IST-Zustand der vorhandenen Struktur auf mögliche Mängel hin zu analysieren: Was sind die Schwachstellen meiner Einrichtung und welchen Risiken ist sie ausgesetzt? Ich weiß: Von „Schwäche“ hört und spricht man nicht gerne, aber genau das nutzt der erfolgreiche Übeltäter. Er sucht, findet und nutzt Schwachstellen, um an sein Ziel zu gelangen. Für die Abwehr gilt daher die Devise: „Mit den Augen des Diebes sehen!“ (Günther Dembski)

Leitfäden und Richtlinien helfen bei der Positionsbestimmung

Worauf ist bei einer strengen und selbstkritischen Analyse des IST-Zustandes zu achten? Hier muss das Rad nicht neu erfunden werden, da inzwischen ausgezeichnete Leitfäden und Ratgeber vorliegen. Einer davon ist der bereits 2006 begonnene und seither weiterentwickelte „SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut“. Mithilfe dieses kostenfreien Onlinetools können Museen und Sammlungen eine Selbstevaluation durchführen, um eine Auswertung mit Handlungsempfehlungen zu erhalten. „Die Zielgruppe sind vor allem kleinere Einrichtungen ohne Fachexpertise im Bereich Sicherheit. SiLK ist aber auch für alle anderen Interessierten geeignet, die sich mit dem Schutz von Kulturgut beschäftigen. Die Nutzerinnen und Nutzer können anhand von SiLK feststellen, wie gut sie auf verschiedene Gefahren und Bedrohungen vorbereitet sind und was sie verbessern können.“ (Anm. 2)

Weithin bekannt sind auch die „Sicherungsrichtlinien für Museen und Ausstellunghäuser“, die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) herausgegeben werden. Im November 2025 sind die überarbeiteten „Sicherungsrichtlinien für Museen, Depots und Ausstellungshäuser“ erschienen, die die bisherige VdS 3511 : 2008-09 (01) ersetzt. Mitgewirkt an der Neuauflage haben die Polizei, der SicherheitsLeitfaden Kulturgut und der Deutsche Museumsbund. „Ziel der Sicherungsrichtlinien ist es, Betreiber und Sicherheitsbeauftragte für die verschiedenen Möglichkeiten der Sicherheitstechnik zu sensibilisieren und eine unverbindliche Richtschnur für die Entwicklung eines effektiven Schutzkonzepts zu bieten.“ (Anm. 3) Die neuen VdS-Richtlinien bieten einen breiten Überblick über die Vielfalt möglicher Gefahren und informieren über Normen und den aktuellen Stand der Technik, um möglichen Risiken mit einer Mischung von baulichen, mechanischen und elektronischen Sicherungen sowie personellen Maßnahmen zu begegnen.

»Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied«

Die Stabilität oder Leistungsfähigkeit eines Systems von Sicherungsmaßnahmen hängt vom möglichst reibungslosen Zusammenwirken sämtlicher Komponenten ab. Das weiß auch die VdS 3511: Die Sicherungsrichtlinien „sind nur wirksam, wenn sie gesamtkonzeptionell umgesetzt und durch das Personal mitgetragen werden. Die Sensibilisierung aller Beteiligten für sicherheitsrelevante Entwicklungen und Ereignisse trägt dazu bei, das stets verbleibende Restrisiko zu reduzieren.“
Zentrale Akteure in diesem Zusammenhang sind die Service- und Aufsichtskräfte. Aber ist die berühmte „Visitenkarte des Hauses“ tatsächlich in der Lage, ihre Aufgaben, Pflichten und Rechte umfänglich wahrzunehmen und effizient durchzusetzen? Anspruch und Maßstab sollten sein: Engagierte Service- und Aufsichtskräfte wissen nicht nur, WAS zu tun ist, sondern sie verstehen auch das WESHALB und sie beherrschen das WIE. Sicherheit braucht Teamwork. Das heißt, Kulturbetriebe sind gut beraten, das Wissen und Können ihrer Service- und Aufsichtskräfte kontinuierlich weiter zu entwickeln, um deren Blick für das Ganze zu schulen und die Basis für eine souveräne Durchführung des Dienstes zu legen. Um dies zu erreichen, kann ein Kulturbetrieb auf externe Schulungen setzen oder sich darauf verlassen, dass das dienstleistende Sicherheitsunternehmen schon weiß, was es tut. Das kann gut gehen, sofern die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer engmaschig geführt wird und auch kleine Probleme nicht verschwiegen, sondern zeitnah angesprochen und behoben werden. Grundsatz: Outsourcing heißt ständiges Controlling!

Lernen aus dem täglichen Betrieb

Aber im Grunde weiß der Kulturbetrieb selbst sehr genau, worauf es ankommt und dieses interne Know-how sollte – auch um Kosten zu reduzieren und die Motivation der Service- und Aufsichtskräfte zu heben – genutzt werden. Die Bandbreite der Anknüpfungspunkte für das „Lernen am eigenen Betrieb“ ist mindestens so groß wie der Anspruch des jeweiligen Hauses. Hier einige Beispiele:

Sauber, aber leider zerstört!

Situation: Museum x legt viel Wert auf Sauberkeit und kommuniziert dies an das Service- und Aufsichtspersonal. Kurz darauf sieht eine Aufsicht auf dem Boden unterhalb eines Bilderrahmens etwas Holzmehl. Umgehend bittet die Aufsicht die Raumpflegekraft, den Schmutz zu beseitigen. Gut gedacht, schlecht gemacht!
Bewertung: Hätte die Aufsicht den Blick für das Ganze gehabt, hätte sie sofort die Kolleg/innen aus der Restaurierung informiert. Aus Unwissenheit wurde eine Chance vertan, denn nun kann der Holzwurm sein zerstörerisches Werk vorläufig fortsetzen.

Tipp: Museum x sollte den Service- und Aufsichtskräften ein Treffen mit den Kolleg/innen der Restaurierung ermöglichen, um das korrekte Verhalten in anschaulicher und praxisnaher Weise zu vermitteln.

Sicherheit vs. Kosten?

Situation: Im zweiten OG von Museum y entdeckt eine Aufsicht ein defektes Außenfenster und meldet dies umgehend an die Verwaltung. Diese hat alle Hände voll zu tun und entscheidet mit Blick auf Lage des Fensters und auf den knappen Bauetat, die Reparatur zu verschieben.
Bewertung: Doppelt fatal: Zum einen ist die Sicherheit des Hauses und der aufbewahrten Objekte gefährdet. Zum anderen wird sich die Aufsicht beim nächsten Vorkommnis eventuell bedeckt halten, denn „die da oben“ machen ja doch nichts.

Tipp: Die umsichtige Aufsicht sollte ihre Beobachtung mündlich und schriftlich dokumentieren, damit sie im Falle eines Schadens nicht getadelt oder belangt werden kann. Museum y sollte dies als Chance sehen und den Aufsichten das nötige Know-how vermitteln, wie eine schriftliche Meldung aufgebaut sein sollte.

Gleiche Pflichten für alle!

Situation: Museum z verlangt von den Service- und Aufsichtskräften höchste Wachsamkeit und Entschiedenheit gegenüber Personen, die nicht zum Haus gehören.
Bewertung: Aufsicht verweigert der ihr unbekannten Volontärin den Zutritt in einen Raum des Museums. Die Volontärin beschwert sich und die Aufsicht wird getadelt, da sie alle Mitarbeiter/innen des Hauses kennen müsse.

Tipp: Da Fluktuation vielfach eher Regel denn Ausnahme ist, sollte Museum z Ausweise einführen und alle Mitarbeiter/innen, einschließlich der Leitung, zum Tragen verpflichten.

Gutes Service- und Aufsichtspersonal ist keine Glückssache!

Mängel kann man durch versierte und lösungsorientierte Schulungen beheben. Aber vor allem sollte das Museum selbst das Personal mit dem notwendigen Know-how vertraut zu machen – praxisnah, systematisch, verständlich und regelmäßig wiederholend. Probate Instrumente für die „Ewigkeitsaufgabe Wissenstransfer“ sind unter anderem:

• Dienstanweisung (Grundlage): Präzise, verständliche und ggf. leichte Sprache
• Dienstanweisung (Auffrischung): Mündlich erläutern, überprüfen und ggf. aktualisieren
• Arbeitstreffen für Service- und Aufsichtskräfte: Exklusiv, regelmäßig und kompakt
• Praxisnähe: Konkrete Themen sowie lösungsorientiertes Vorgehen
• Fachleute einbinden (zum Beispiel aus Sicherheit, Technik und / oder Verwaltung)
• Themen- und zielgruppengerechte Sprache Kontinuierliche Einbindung und Qualifizierung hebt nicht nur die Qualität der Leistung, sondern sie vertieft zugleich die Verbundenheit des Personals mit dem jeweiligen Haus

QEM – Qualifizierte Einbindung von Museumspersonal
Dr. Berthold Schmitt, Trainer von Service- und Aufsichtspersonal in Museen
Wielandstraße 5, 04177 Leipzig
Tel 0049 / 341 / 5296524
mail@schmitt-art.de; www.aufsicht-im-museum.de

Anm. 1: Weniger Geld, weniger Einfluss, mehr Erwartungen. Mission impossible, Frau Ackermann?, in: Die ZEIT, 17.07.2024; Quelle: www.zeit.de/2024/31/marion-ackermann-stiftung-preussischer-kulturbesitz-praesidentin-kunst-kultur; Abfrage: 05.02.2026
Anm. 2: SicherheitsLeitfaden Kulturgut (SiLK), in: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Quelle: www.bbk.bund.de/DE/Themen/Schutz-Kulturgut/Wie-sichern-wir-Kulturgut/SiLK/silk_node.html; Abfrage: 06.02.2026
Anm. 3: Sicherungsrichtlinien für Museen, Depots und Ausstellungshäuser, VdS 3511 : 2025-11 (02), Köln 2025, 81 S. Quelle: shop.vds.de/publikation/vds-3511; Abfrage: 06.02.2026. Der kostenfreie Download darf nicht vervielfältigt oder veröffentlicht werden, auch nicht für innerbetriebliche Zwecke.

Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in KulturBetrieb, 2026, S. 70-73.