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Jeder fünfte Elektrobrand wird durch einen Akku ausgelöst

Wie halten Sie es mit der Brandprävention in Ihrer Kultureinrichtung?

Laptops, Mobiltelefone, Audioguides, Funkgeräte oder kleine Werkzeuge – sie alle werden zunehmend durch Akkumulatoren (kurz Akkus) betrieben. Das ist ein Vorteil, da sie ohne lästiges Kabel mehr Bewegungsfreiheit bieten. Zu den Nachteilen aber zählt neben oft höheren Kosten unter anderem das Risiko von Überhitzung und Bränden bei unsachgemäßer Handhabung oder Beschädigung. Da aber Brände in Archiven, Bibliotheken, Museen und anderen kulturbewahrenden Einrichtungen recht häufig vorkommen, (Anm. 1) sollte man gerade dort sehr professionell mit den nützlichen, aber nicht ganz ungefährlichen akkubetriebenen Geräten umgehen.

Akkubrände nehmen zu und ihre Ursachen sind sehr verschieden
Wiederholt hört man von spektakulären Bränden, die durch Akkus ausgelöst werden, darunter Autos und Busse oder Brände in Müllwagen, Wertstoffhöfen und Müllsortierungsanlagen. 2022 brannte eine Wertstoffhalle in Bremen 2022 komplett aus, wobei ein Sachschaden in Millionenhöhe entstand. (Anm. 2) Im Januar 2025 hat eine Powerbank in Südkorea sogar einen Brand in einem Airbus verursacht und diesen zerstört. Aber die Risiken lauern auch im Alltag: Menschliches Fehlverhalten und Elektrizität verursachen mehr als die Hälfte aller Brände in und an Gebäuden. Laut Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) sind Akkubrände ein zwar relativ neuer Schadentrend, aber sie haben „mittlerweile einen erheblichen Anteil an den Schadenfeuern durch Elektrizität. Grund ist nach Einschätzung des IFS vor allem die steigende Zahl der Geräte, die mit Lithium-Ionen-Akkus betrieben werden. Wegen der Brandgefahr, die mit diesem Akkutyp einhergeht, ist es besonders wichtig, die Herstellerangaben bezüglich der Handhabung zu beachten und sichtbar beschädigte Akkus nicht zu benutzen.“ (Anm. 3)

Geprüfte Akkus sind sicher, aber gerade beim Aufladen gilt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
Grundsätzlich gilt: Gemessen an der Menge von Akkus, die es mittlerweile gibt, sind sie sicher und: sich selbst entzündende Lithium-Ionen-Batterien (LIB) sind selten. Dennoch sollte man die kleinen Helfer im Blick haben und wissen, dass die meisten Akkubrände durch Entzündung während des Aufladens entstehen. Deshalb sollte das Aufladen der Akkus nicht unbeaufsichtigt erfolgen und es sollten nur die vom Hersteller empfohlenen Ladegeräte verwendet werden, um zum Beispiel ein zu hohes Aufladen zu vermeiden. Zum Ladevorgang von LIB gibt der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) folgende Hinweise:
• „LIB auf nichtbrennbarer Unterlage in trockenem und staubfreiem Bereich laden. Es dürfen sich keine Brandlasten in der Nähe befinden. Die Umgebungstemperaturen sollten nicht unter 0 °C betragen. Die Aufladung sollte möglichst unter Aufsicht durchgeführt werden.
• Ladegeräte vor Nässe und Staub schützen. Während des Ladevorgangs das Gerät aber nicht abdecken, eine Luftzirkulation muss ermöglicht werden. Ladegeräte regelmäßig auf einwandfreien Zustand überprüfen.
• Die LIB sollten nicht kalt sein, d.h. sie sollten vor dem Laden auf Raumtemperatur erwärmt sein.
• LIB dürfen nicht zu tief entladen und nicht zu hoch geladen werden.
• Bei langen Lagerzeiten kann es notwendig sein, die LIB nachzuladen, um eine Tiefentladung zu verhindern.“ (Anm. 4)

Was genau passiert bei einem Akkubrand?
Ein Brand wird ausgelöst, wenn brennbare Stoffe, Sauerstoff und eine wirksame Zündquelle vorliegen. Bei einer LIB sind diese drei notwendigen Voraussetzungen in einer Zelle vorhanden. „Lithium-Batterien und Lithium-Akkus reagieren bereits empfindlich auf Stoßen oder Fallen und Hitze. Sie entzünden sich schnell bei falscher Behandlung. Bei einem Defekt erwärmt sich zunächst eine Akku-Zelle übermäßig – die elektrochemisch gespeicherte Energie wird nicht in Form von elektrischer, sondern in Form von thermischer Energie abgegeben. Umliegende Materialien zerfallen, es entstehen brennbare Gase und Sauerstoff, der Druck steigt und die Zelle platzt. In der Fachsprache wird dies „thermisches Durchgehen“ oder „thermal runaway“ genannt – es passiert schnell und unkontrollierbar. Geht eine Zelle thermisch durch, führt dies zu einer Kettenreaktion: Die anderen Zellen werden mitgenommen. Es entstehen Temperaturen von mehreren Hundert Grad Celsius. Große Flammen treten auf, manchmal explodieren Zellen auch und werden wie Geschosse durch die Luft geschleudert. (Anm. 5)

Genaueres zur Zellchemie von Lithium-Ionen-Batterien
„Der Anteil an Lithium in einer LIB ist sehr gering, er variiert je nach Zusammensetzung der Elektroden mit weiteren Metalloxiden oder -phosphaten sowie des Elektrolyten. Reines Lithium ist ein festes Metall, das sehr leicht ist und eine hohe Energiedichte besitzt. Es ist sehr reaktionsfreudig und leicht brennbar. Bei Kontakt mit Wasser reagiert Lithium unter starker Wärmeentwicklung und es entsteht ätzende Lithiumlauge und extrem entzündbarer gasförmiger Wasserstoff. Wasserstoff bildet mit Sauerstoff ein entzündbares explosionsfähiges Gemisch („Knallgas“). (…) Der Brandverlauf bei einem Lithium-Ionen-Batteriebrand ist sehr heftig und es entstehen Temperaturen bis 1400 °C. (…) Wird der Druck zu hoch, gibt die Zelle durch vom Hersteller vorgesehene Überdruckventile ihren Inhalt nach außen ab. Ist ein Überdruckventil nicht vorgesehen, kann die Zelle platzen und ihren Inhalt unter Überdruck nach außen abgeben. Dabei entsteht ein meist weiß-grauer „Nebel“ aus Elektrolyten und anderen Zellbestandteilen. Dieser „Nebel“ ist entzündlich und kann z.B. im umschlossenen Räumen eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden. (…) Der „Nebel“ ist daher als entzündbar, giftig und ätzend anzusehen. Er kann auf der Hautoberfläche zu Verätzungen führen.“ (Anm. 6)

Akkubrände löschen? Am besten durch die Feuerwehr
„Brennen lithiumhaltige Batterien, entstehen sehr hohe Temperaturen und giftige Dämpfe. Deshalb sind solche Brände so gefährlich. Brennt ein Akku und es tritt Gas aus, sollte man sofort die Feuerwehr rufen. Die Helfenden sollten gewarnt werden, dass es sich bei der Brandursache um einen Akku handelt. Gelöscht wird in der Regel mit großen Mengen an Wasser. Auch nachdem sie gelöscht wurden, können Batterien sich nochmals entzünden. Sie sollten daher in geeigneten Wasserbecken oder Havarie-Behältern aufbewahrt werden.“ (Anm. 7)
„Da die Lithium-Ionen-Zelle sicher eingehaust ist, kann der Brand ggf. nicht gelöscht werden. Das Gehäuse verhindert, dass das Löschmittel den Zellbrand erreicht. (…) Zur Brandbekämpfung von LIB dürfen nur Löschmittel mit einem hohen Kühleffekt, d. h. Wasser, gegebenenfalls mit Löschmittelzusätzen, verwendet werden. (…) Wasser wird als Löschmittel zur Verhinderung einer raschen Brand- und Rauchausbreitung empfohlen. Ziel ist die längerfristige Kühlung der LIB, um das thermische Durchgehen („Thermal Runaway“) weiterer Zellen zu verhindern. Wasser kann mit Feuerlöscheinrichtungen wie zum Beispiel Feuerlöschern, Wandhydranten u.a. eingesetzt werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind Löschmaßnahmen mittels Feuerlöscher allerdings im Hinblick auf den Personenschutz von Beschäftigten (inklusive Brandschutzhelfern) durch die bereits beschriebenen Gefährdungen als äußerst kritisch anzusehen. Am Markt werden unterschiedliche Löschmittel zur Brandbekämpfung angeboten. Die Wirksamkeit wird aber in Fachkreisen unterschiedlich bewertet. Einen Prüfgrundsatz für den Löschwirksamkeitsnachweis gibt es bisher nicht.“ (Anm. 8)

Risikominderung und Branderkennung
Mit Blick auf die Stationierung resp. Lagerung von LIB sollte die bauliche Umgebung grundsätzlich so angelegt sein, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. Mögliche Maßnahmen sind die Aufteilung der LIB in mehrere Brandabschnitte oder kühle (0-45°C), aber frostfreie sowie unbedingt trockene Lagerung. Da LIB als mögliche Zündquellen gelten, ist eine Zusammenlagerung mit Gefahrstoffen und brennbaren Stoffen zu vermeiden.
„Bei einem Lithium-Ionen-Batteriebrand werden Rauchgase und große Wärmemengen freigesetzt. Es kommt zu einem schnellen Brandverlauf. Zur Branderkennung können verschiedene Brandmelder verwendet werden. Folgende Brandmelderarten können z.B. verwendet werden: optische Rauchmelder, Wärmemelder, Multisensormelder und Handfeuermelder. Des Weiteren werden Brandfrüherkennungssysteme entwickelt oder bereits auf dem Markt angeboten. Es sollte auf einen anerkannten Funktionsnachweis einer Prüfstelle geachtet werden. (…) Es wird empfohlen, aufgrund der schnellen und heftigen Brandausbreitung bei einem Lithium-Ionen-Batteriebrand – abhängig von Unternehmensgröße, Brandschutzkonzept und Versicherungsbedingungen – die Branderkennung und Brandbekämpfung sowie die Alarmierung der Beschäftigten über eine Brandmeldeanlage (BMA) durchzuführen.“ (Anm. 9)

Akkus und Batterien richtig entsorgen
Für Akkus wie für Batterien besteht eine gesetzliche Rückgabe- und Rücknahmepflicht. Das heißt, sowohl Verbraucher als auch Inverkehrbringer (Handel, Hersteller), aber auch öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger stehen in der Verantwortung. Deshalb gilt mit Blick auf die Entsorgung:
• „Batterien und Akkus dürfen nicht über den Hausmüll entsorgt werden, dies ist gesetzlich verboten. Dass sie aufgrund der giftigen Inhaltsstoffe nicht in die Umwelt gelangen sollten, versteht sich von selbst.
• Kostenlose Sammelstellen für kleinere, aufladbare und nicht aufladbare Batterien gibt es überall dort, wo die jeweiligen Batterien auch verkauft werden – zum Beispiel in Drogerien oder Bau- und Elektromärkten.
• Größere Lithium-Ionen-Batterien von beispielsweise Elektrofahrrädern oder E-Rollern gelten als Industriebatterien. Sie müssen kostenlos von Vertreibern dieser Batterien-Art zurückgenommen werden – beispielsweise dem E-Bike-Händler, wenn dieser auch Ersatz-Akkus im Sortiment hat.
• Auch kommunale Sammelstellen und Wertstoffhöfe nehmen Geräte- und Industriebatterien entgegen.
• Eine falsch entsorgte Lithium-Batterie kann brandgefährlich werden. Bei Lithiumbatterien und -akkus klebt man am besten mit Isolierband die Plus- und Minus-Pole ab. Denn ungeschützt in den Sammelboxen können die falschen Pole aneinander geraten, und es gibt einen Kurzschluss. Das reicht für Lithium, um sich zu entzünden.
• Bei ausrangierten Smartphones, Notebooks oder Elektro-Gartengeräten ist es also wichtig, die Akkus rauszunehmen und gesondert zu entsorgen. Sonst landet alles zusammen mit dem Elektroschrott in einem Geräteschredder und kann dort zu Bränden führen.“ (Anm. 10)

Übrigens: Der Begriff Akkumulator / Akku stammt aus dem Lateinischen. `accumulator´ von cumulus `Haufen´ bzw. accumulare `anhäufen´ bedeutet Sammler.

Dr. Berthold Schmitt, Herausgeber der Fachzeitschrift KulturBetrieb

Anm. 1: Vgl. Berthold Schmitt, Brände weiterhin hohes Risiko für Kulturbetriebe. Rückblick auf eine Dekade mit bitteren Verlusten, in: KulturBetrieb, zwei 2024, S. 30-32
Anm. 2: Wenn der Akku den Müll in Brand setzt, in: ZDF heute, 17.09.2024; Quelle: www.zdfheute.de/wissen/akku-brand-muell-100.html; Abfrage: 14.08.2025
Anm. 3: Die häufigsten Brandursachen, in: Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung, 03.07.2023; Quelle: www.ifs-ev.org/die-haeufigsten-brandursachen/; Abfrage: 14.08.2025
Anm. 4: Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien, DGUV Information 205-041, Berlin 2024, S. 24; Quelle: publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4668; Abfrage: 15.08.2025
Anm. 5: Alice Thiel-Sonnen, Alexander Winkler, Karolina Luttig, Sola Hülsewig, Wann ein Akku brennen oder explodieren kann, in: SWR, 27.03.2024, Quelle: www.swr.de/leben/verbraucher/akku-brand-explosion-100.html; Abfrage: 15.08.2025
Anm. 6: Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien, S. 14 bzw. 34.
Anm. 7: Thiel-Sonnen, Winkler u.a., a.a.O.
Anm. 8: Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien, S. 38 f.
Anm. 9: Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien, S. 36 f.
Anm. 10: Thiel-Sonnen, Winkler u.a., a.a.O.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in KulturBetrieb, zwei 2025, S. 46-50