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Stadtmuseum Berlin sucht Assistenz für Interne Kommunikation

Wie verträgt sich das mit dem „Spardiktat“ des Berliner Senats?

Im November 2024 ist bekannt geworden, dass das Land Berlin ab 2025 tüchtig einsparen müsse, damit das Haushaltsloch von fünf Milliarden Euro nicht weiter aufreißt. Da der Kulturhaushalt künftig mit 130 Millionen Euro weniger auskommen soll (minus 12%), ist die Empörung in der Szene groß. (Anm. 1) Das überrascht nicht. Was hingegen überrascht: Bei dem einen oder anderen Berliner Kulturbetrieb wächst die Personaldecke dennoch. Beispiel Stadtmuseum. Hier braucht es das personelle Plus jedoch nicht für die Anliegen der Kultur selbst, sondern für den internen Austausch zwischen den Beschäftigten!

Stadtmuseum ist recht groß, aber kein Riese
Zu der 1995 errichteten Stiftung Stadtmuseum Berlin gehören aktuell sechs Häuser (z.B. Märkisches Museum) und die Ausstellung „Berlin global“ im Humboldt Forum. Insgesamt sind rund 200 Menschen in der Stiftung des Öffentlichen Rechts beschäftigt. Das ist beachtlich, aber doch überschaubar verglichen mit anderen „Dampfern“: Stiftung Preußischer Kulturbesitz (ca. 2.000 MA), Staatliche Kunstsammlungen Dresden (rund 440), Klassik Stiftung Weimar (etwa 430), Bayerische Staatsgemäldesammlungen (ca. 280), Germanisches Nationalmuseum (230), Hessen Kassel Heritage (150), Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (140), Bundeskunsthalle (130), Hamburger Kunsthalle (100) oder Kunstsammlung NRW (100).

Schaut man nun das Organigramm des Stadtmuseums Berlin an, fällt auf, dass das Haus einen erstaunlich hohen Anteil für den Posten „Inneres“ vorhält. Neben Vorstand und Direktion sind das sog. Fachteams, darunter Personal, Beauftragte der Direktion und Stabsstellen sowie Interne Kommunikation. Genaueres Zusehen zeigt, dass das Fachteam Personal 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst, davon drei Wissenschaftliche Volontariate und eine Werkstudentin. Für die inneren Abläufe des Hauses kommen das fünfköpfige Team rund um die Managementdirektion hinzu sowie das Fachteam Interne Kommunikation (eine Kraft), dass auch nicht vergessen werden darf. (Anm. 2) In Summe sind das 19 Personen, die ganz oder überwiegend für das interne Miteinander tätig sind. Das macht etwa zehn Prozent der gesamten Belegschaft des Stadtmuseums Berlin aus!

Demgegenüber sind die genannten Vergleichshäuser, die zum Teil deutlich größer sind als das Berliner Haus, sehr viel sparsamer besetzt: Etwa zehn Positionen bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, jeweils fünf im Germanischen Nationalmuseum, der Klassik Stiftung Weimar bzw. der Bundeskunsthalle, vier Kräfte in der Kunstsammlung NRW und nur drei bei Hessen Kassel Heritage. Bezogen auf die Gesamtbelegschaft bewegt sich der Posten Personal bei diesen Kultureinrichtungen in etwa zwischen ein und fünf Prozent. Dies entspricht übrigens den Vergleichswerten von Unternehmen der freien Wirtschaft. Dort variiert die Größe der Personalabteilung zwischen 1,5 und 4,5 pro 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei der Durchschnitt bei 1,7 liegt. (Anm. 3)

Interne Kommunikation ist eine Führungsfunktion
Für Unternehmen und Kulturbetriebe ist gute interne Kommunikation unerlässlich. Wikipedia definiert sie so: „Als interne Kommunikation wird die verbale und nonverbale Kommunikation zwischen Angehörigen einer bestimmten Gruppe oder Organisation verstanden, mit Sinn und Zweck der Optimierung organisatorischer Abläufe (Effizienz), Informationsverbreitung (Transparenz), Austausch (Dialog) sowie Motivation und Bindung.“
Gute interne Kommunikation kann dazu beitragen, Produktivität, Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen. Nun könnte man annehmen, dass es beim Stadtmuseum Berlin genügen sollte, wenn es neben der Leitung des Hauses noch eine Managementdirektion gibt, zu der die Beauftragte der Direktion und Stabsstellen sowie die 13 Kräfte des Fachteams Personal gehören. Aber dem ist nicht so. Offenbar braucht das Haus für den Austausch zwischen seinen Beschäftigten zusätzlich ein Fachteam Interne Kommunikation. (Anm. 4) Da dieses Spezialteam derzeit nur mit einer Person besetzt ist, hat das Stadtmuseum im Januar 2025 die Position „Assistent:in Interne Kommunikation“ ausgeschrieben.

Das zentrale Aufgabenfeld der neuen Kraft ist die „strategische und operative Interne Kommunikation“. Zu den konkreten Tätigkeiten gehören:
• „inhaltliche und organisatorische Vorbereitung und Nachbereitung von internen Veranstaltungen (z.B. Beschäftigtenversammlungen der Stiftung)“
• „Konzeption, Durchführung und Evaluation von Beschäftigtenbefragungen im Rahmen der Strukturprozesse (systematische Erhebung von Daten z.B. durch Beobachtung, Befragung, Interviews)“
• „Verfassen von zielgruppenspezifischen Texten für verschiedene interne Kanäle unter Berücksichtigung einer diskriminierungssensiblen Sprache und Kommunikation“
• „Unterstützung bei Berichtswesen und weiteren Fachaufgaben sowie allgemeine administrative Aufgaben, Terminkoordination“

Ziel dieser und weiterer Aufgaben des Fachteams Interne Kommunikation ist ein „regelmäßiges, strukturiertes und transparentes Kommunikationsmanagement zwischen allen Beschäftigten der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Das Fachteam berät, fördert und begleitet Kommunikationsmaßnahmen von Vorstand, Bereichsmanagement und Fachteamleitungen mit besonderem Fokus auf der Begleitung der Organisationsentwicklung bzw. -transformation.“ Voraussetzung für diese Position, die mit 9 b TVöD (Ost) bezahlt wird und auf drei Jahre befristet ist, sind unter anderem: Ein „abgeschlossenes Hochschulstudium im Bereich Kulturmanagement, Museumskunde, idealerweise mit Schwerpunkt Unternehmenskommunikation, Kommunikations- oder Medienwissenschaften oder ein vergleichbarer Studiengang bzw. gleichwerte Fähigkeiten und relevante Berufserfahrungen; hohe Organisations- und Koordinationsfähigkeit, kommunikatives Auftreten und Diversitätskompetenz. (Anm. 5)

Was das mit den Berliner Sparvorgaben zu tun hat?
Betroffen von den Kürzungen sind nahezu alle Ressorts, aber einige besonders hart: Verkehrs- und Nachrichtenwesen (minus 20,9%), Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung (18,3%), Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (18%) sowie Finanzwirtschaft (15,9%). Im Mittelfeld der Kürzungen folgen Energie- und Wasserwirtschaft (8,7%), Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (5,7%) sowie Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten (4,6%). Prozentual am wenigsten betroffen sind Soziale Sicherung, Familie und Jugend, Arbeitsmarktpolitik (1,5%) sowie Allgemeine Dienste (1,1%). (Anm. 6)

Nun ein genauerer Blick auf das Ressort Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten, das mit 12,4 Milliarden Euro vor dem Sozialen mit 10,6 Mrd Euro der mit Abstand größte Einzelposten im Berliner Haushalt ist. Das Ressort `Bildung´ umfasst neben Hochschulen, Kliniken, Forschung und Schulen unter anderem auch Museen, Theater, Denkmalschutz und Zoologische Gärten. Bei den insgesamt 22 aufgeführten Positionen gibt es zum Teil tiefe Einschnitte. Hier eine Auswahl: Hochschulkliniken (minus 87,4%), Forschung und experimentelle Entwicklung (36%), Öffentliche berufliche Schulen (23,2%), Wissenschaftliche Bibliotheken, Archive, Fachinformationszentren (19,7%), Museen, Sammlungen und Ausstellungen (16,7%), Theater (10,9%), Musikpflege (9,5%) oder Kirchliche Angelegenheiten (7,2%). (Anm. 7)

Schaut man sodann im Detail auf die Sparpläne des Unterressorts Museen, Sammlungen und Ausstellungen sind besonders betroffen die Sanierungs- bzw. Bauvorhaben am Bröhan-Museum (minus 75%) und am Technikmuseum (50%). Zuschuss an Serviceeinrichtungen zur Bestandssicherung von Arbeitsräumen für Künstlerinnen und Künstler (49,6%), Maßnahmen zur Senkung der Zugangsbarrieren / Öffentlichkeitsarbeit / Museumssonntag (47,3%) sowie Zuschüsse an Organisationen im Inland für Investitionen (37,5%).
Kürzungen zwischen neun und zwölf Prozent betreffen u.a. Zuschüsse an Einrichtungen der bildenden Kunst, an das Bauhaus-Archiv, den Ausbau von Arbeitsräumen für Künstler/innen sowie die Stiftung Stadtmuseum Berlin, die 11,6% verkraften muss, was in etwa 3,6 Mio Euro entspricht. (Anm. 8) Um letzteres Einsparziel zu erreichen, wird erwogen, dass das Stadtmuseum aus dem Humboldt Forum auszieht, in dem es seit 2021 die Ausstellung „Berlin global“ zeigt. (Anm. 9) Und ausgerechnet in dieser Situation, in der die Existenz des „Schaufensters“ des Stadtmuseums bedroht ist, sieht das Haus Bedarf für noch mehr interne Kommunikation.

Die „Kabine verloren“ oder doch nur Nabelschau?
Was ist die Ursache für diesen tatsächlichen oder vermeintlichen Bedarf? Ist es um das Miteinander der Belegschaft so schlecht bestellt, dass die Leitung – wir entlehnen hier einen Begriff aus dem Fußball – die „Kabine verloren hat“? Oder kreist man, Stichwort Nabelschau, lieber um sich selbst? Wir erinnern uns: Interne Kommunikation ist Führungsfunktion! Und nicht selten gilt auch: „Viele Köche verderben den Brei!“
Ja, Kulturbetriebe brauchen kompetentes Personal. Seit Jahren werden bundesweit und branchenübergreifend geeignete Arbeits- und Fachkräfte händeringend gesucht, auch im öffentlichen Dienst und auch in Kulturbetrieben. Gut sieht es dort nicht aus wie Sophia Karwinkel 2020 in ihrer Masterarbeit gezeigt hat. Die Autorin beobachtet eine Entwicklung zur Individualisierung der Bedürfnisse hinsichtlich Zeit- und Ortssouveränität, zu individuellen Wünschen an die Karrieregestaltung und an das Work-Life-Verhältnis: „Auf der einen Seite wird Arbeit `mit Sinn´ gesucht, die mehr als nur Broterwerb ist. Dies spielt Kultureinrichtungen in die Karten. Auf der anderen Seite besteht aber auch ein wachsendes Selbstbewusstsein für den eigenen Wert am Arbeitsmarkt: `Ich glaube, es gibt immer noch genug Geisteswissenschaftler oder Studienabgänger, die im Museum arbeiten möchten, aber sie wollen es eben nicht mehr um jeden Preis´, beschreibt eine Expertin. Führungskräfte in Kultureinrichtungen sähen die Arbeit in diesem Bereich jedoch noch zu sehr als Privileg an, so ein anderer Experte.“ Aus all dem resümiert Karwinkel, dass „das Angebot an gut ausgebildeten und motivierten jungen Menschen, die sich für eine Stelle im Museum interessieren, abnimmt.“ (Anm. 10) Konkrete Zahlen dazu liefert Rolf Wiese, Vorsitzender des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen. Nach seinem Kenntnisstand „würden jährlich rund 600 für den musealen Bereich wissenschaftlich ausgebildete Menschen benötigt. (…) Von den Universitäten kämen aber nur etwa 300.“ (Anm. 11)

Sparen? Ja, aber …!
Die im November 2024 angekündigten Einsparungen im Berliner Kulturetat haben in den dortigen Theatern, Museen, Konzerthäusern, Stiftungen und Gedächtnisorten einen Sturm der Entrüstung entfacht. Das ist nachvollziehbar. Man war aber auch kreativ. Innerhalb kürzester Zeit stellte das Aktionsbündnis „Berlin ist Kultur“ eine dreistündiges Protestkonzert auf die Beine. In einer zugeschalteten Videobotschaft warnte Barrie Kosky, Ex-Intendant der Komischen Oper, vor den Konsequenzen des drohenden Kulturabbaus: „Berlin ohne Kultur ist nur Bielefeld mit big buildings.” (Anm. 12) Das kann man als amüsant betrachten oder als ignorant und snobistisch, auch gegenüber Bielefeld. Aber tatsächlich gilt: „Niemand in Berlin sagt, dass die Kultur nicht sparen müsse. Ganz sicher hat sich hier strukturell einiges verfestigt, das längst aufgelöst gehört und verschlankt. Oder sogar abgeschafft.“ (Anm. 13) Doppel- und Mehrfachstrukturen oder zehn Prozent der Belegschaft für Internes? Das geht – siehe drei Berliner Opernhäuser bzw. Stadtmuseum Berlin – offenbar völlig in Ordnung. Sparen sollen andere, aber nicht die Kultur, die den größten Einzelposten im Berliner Haushalt ausmacht. Zurückstecken soll zum Beispiel das Ressort Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung. Kürzungen von rund 18 Prozent? Ja, und? Sport kann man auch in maroden Hallen betreiben und ein Spaziergang in einer verwilderten Umwelt ist doch viel authentischer … Haben die Kreativen von „Berlin ist Kultur“ auch nur einen Moment an all jene Berlinerinnen und Berliner gedacht, in deren Leben andere Belange von Bedeutung sind? Gesundheit und eine intakte Natur braucht man nicht nur in Bielefeld. Aber, Moment: Gibt es dieses Bielefeld überhaupt …?

Dr. Berthold Schmitt, Herausgeber der Fachzeitschrift KulturBetrieb

Anm. 1: Vgl. Christine Lemke-Matwey, Was hat er sich dabei gedacht? Berlins Kultursenator Joe Chialo steht im Zentrum eines Sturms. Er erfasst Theater, Musik und Kunst. Stichwort: 150 Millionen Euro Einsparungen und zwar sofort, in: Die ZEIT, Nr. 50, 28.11.2024, S. 50.
Anm. 2: Vgl. Stadtmuseum Berlin, Unser Team; Quelle: www.stadtmuseum.de/ueber-uns/organisation/team; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 3: Größe der Personalabteilung vs. Mitarbeiteranzahl, in: Harbinger, 06.01.2025; Quelle: www.harbinger-consulting.com/blog/groesse-der-personalabteilung/; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 4: Vgl. Organigramm Stiftung Stadtmuseum Berlin GmbH; Quelle: www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/11/241101-Organigramm_web.pdf; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 5: Assistent:in Interne Kommunikation (m/w/d), in: Stiftung Stadtmuseum Berlin, Quelle: stadtmuseum.onlyfy.jobs/job/fnt7erur; Abfrage: 07.02.2025. Bewerbungsschluss war der 21.02.2025
Anm. 6: Vgl. Haushaltskürzungen Berlin 2025; Quelle: berlin-haushalt25.nand.io; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 7: Vgl. Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten; Quelle: berlin-haushalt25.nand.io; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 8: Vgl. Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten; Quelle: berlin-haushalt25.nand.io; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 9: Vgl. Kirsten Buchmann, Zieht die Berlin-Ausstellung aus dem Humboldt-Forum aus?, in: rbb24, 03.01.2025; Quelle: www.rbb24.de/kultur/beitrag/2025/01/humboldt-forum-ausstellung-berlin-global-stiftung-stadtmuseum.html; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 10: Sophia Karwinkel, Wie modern arbeiten deutsche Museen, in: Kultur Management Network, 13.01.2020; Quelle: www.kulturmanagement.net/Themen/Studie-zu-Arbeitsformen-und-prozessen-Wie-modern-arbeiten-deutsche-Museen,4076; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 11: Museen geraten zunehmend in Personalnot, in: Deutschlandfunk, 08.03.2024; Quelle: www.deutschlandfunk.de/museen-geraten-zunehmend-in-personalnot-100.html; Abfrage: 07.02.2025
Anm. 12: Johannes Schmitz, Protest-Konzert gegen Kürzungen. „Berlin ohne Kultur ist nur Bielefeld mit big buildings“, in: BZ – Die Stimme Berlins, 20.11.2024; Quelle: www.bz-berlin.de/unterhaltung/protest-konzert-aerger-luft-machen; Abfrage: 10.02.2025
Anm. 13: Lemke-Matwey, Was hat er sich dabei gedacht?, a.a.O.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in KulturBetrieb, eins 2025, S. 44-47

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