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In deutschen Kulturbetrieben brennt es recht häufig

Auch das Jahr 2025 macht da leider keine Ausnahme

Im internationalen Vergleich gilt der Brandschutz in Deutschland als sehr streng, aber zugleich als bürokratisch und technisch hochspezialisiert. Ersteres liegt auch daran, dass wir 16 verschiedene Landesbauordnungen haben und zweites auch daran, dass hierzulande der Fokus auf den baulichen Brandschutz gerichtet ist, d.h. auf vorbeugende Maßnahmen, um Brände gar nicht erst entstehen zu lassen oder deren Ausbreitung lange zu verhindern. Dagegen setzen insbesondere die USA stärker auf anlagentechnischen Brandschutz (Sprinkleranlagen, Rauchabzug). Faustformel: Amerikanische Gebäude brennen zwar schneller, aber die automatischen Löschsysteme führen oft zu geringeren Opferzahlen pro Brandereignis.

Brände in Kulturbetrieben in den Jahren 2015 bis 2024 – ein Überblick

2015 hat das Magazin KulturBetrieb erstmals auf Brände in Archiven, Bibliotheken, Museen u.a. kulturbewahrenden Einrichtungen im nationalen und internationalen Umfeld geschaut. Auch wenn diese Chronik keinen Anspruch auf eine systematische Erfassung aller Vorkommnisse erhebt, ist die Bilanz ernüchternd, denn die Zahl der Brandvorkommen ist erschreckend hoch!
2015 brachte neun Vorkommnisse, davon vier in Deutschland. 2016 waren es `nur´ fünf Feuer, drei davon hierzulande. Bitter dann 2017: Unter den insgesamt elf betroffenen Einrichtungen waren neun (!) deutsche. Für 2018 wurden 16 Vorfälle gemeldet, davon sechs hierzulande. Entspannung 2019: Es brannte nur elf Mal, davon jedoch sechs Mal bei uns. Gespenstisch das Jahr 2020: Von insgesamt 18 Feuern haben elf (!) hierzulande gewütet. Auch 2021 gab es 18 Feuer in Kulturbetrieben, darunter sechs deutsche Einrichtungen. 2022 wurden nur vier Brände gemeldet, davon aber drei hierzulande. 2023 wurden neun Vorkommen registriert, davon vier in der Bundesrepublik. 2024 aber brannte es ganze 20 Mal in und an kulturellen Einrichtungen, deutsche waren in sieben Fällen betroffen. (Anm. 1)

Und was hat 2025 gebracht?

Zunächst ein Blick auf ausgewählte Brandereignisse im Ausland: Den Anfang machten die verheerenden Waldbrände in Kalifornien. Dort zerstörten die Flammen am 8. Januar u.a. die Alto Beta Gallery in Altadena und die Los Angeles Public Library in Palisades. Dagegen sind die Villa Aurora und das Thomas-Mann-Haus verschont geblieben. Dass die Getty Villa und ihr Museum in Pacific Palisades nur geringfügig beschädigt wurden, war nicht nur Glück: Die Gebäude wurden als doppelwandige Konstruktion aus feuerfestem Travertin errichtet und zum anderen hat man auf dem umgebenden Gelände kontinuierlich das Gestrüpp entfernt, sodass das Feuer kaum Nahrung hatte. Auch das gehört zum vorbeugenden Brandschutz! Am 27. Januar stand der Turm des Historischen Rathauses von Paris in Flammen. Ursache des Brandes, der hauptsächlich den Dachstuhl und den zweiten Stock des Gebäudes betraf, könnten Elektrogeräte gewesen sein, die Reparaturarbeiten verwendet worden sind. Im Freilichtmuseum Großgmain bei Salzburg hat am 26. Juni ein Feuer den hölzernen Aufbau eines historischen Kalkofens vollständig zerstört. Um das Handwerk des Kalkbrennens zu demonstrieren, hatte das Museum den rund 100 Jahr alten Ofen über mehrere Tage durchgehend befeuert. Dabei dürfte der Brand ausgebrochen sein. Sehr ungewöhnlich die Ursache für den Brand in der Moschee-Kathedrale in Cordoba / Spanien am 9. August: Im Inneren des UNESCO-Weltkulturerbes war eine elektrische Kehrmaschine in Brand geraten, was zu Rauchschwaden über dem südlichen Eingangstor führte.

Und hierzulande? Am 1. März wurde die Feuerwehr zum Historischen Museum in Bremerhaven gerufen. Durch rasches Eingreifen konnte die Ausbreitung des Feuers aus einem Heizungsraum im Magazinbereich auf die Sammlungen verhindert werden. Während hier die genaue Ursache nicht bekannt ist, ist der Schmorbrand im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen am 11. März wohl auf einen Defekt an einer Halogenlampe zurückzuführen. Am 11. Mai brannte es am Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur. In der Nacht hatte ein 40-jähriger Darmstädter ein Werbebanner am Gebäude angezündet. Dank des beherzten Eingreifens von Passanten konnte der Schaden klein gehalten und der Brandstifter gefasst werden. Durch einen Großbrand wurde am 6. Juni die Alte Staatsoperette in Dresden so stark zerstört, dass die Ruine im November 2025 abgerissen werden musste. Den Ermittlungen zufolge hatten Kinder an der seit 2016 ungenutzten Kulturstätte ein Feuer entfacht. Am Rande: Zwei von Zivilpersonen geführte Drohnen erschwerten die Löscharbeiten. Einer der Drohnenpiloten konnte identifiziert werden. Gedankenlosigkeit war wohl die Ursache für einen Brand am Museum für Naturkunde in Magdeburg. Beim Eintreffen der Feuerwehr am 6. August gegen 12 Uhr entdeckten die Kameraden am Museum einen brennenden Kellerlichtschacht, in dem sich Laub und Blütenstaub entzündet hatte. Als Brandauslöser soll sehr wahrscheinlich eine weggeworfene Zigarette verantwortlich sein. Nach einem Brand am 15. Oktober ist die Zukunft des Museumsschiffs „Elbe 1“ in Wewelsfleth / Schleswig-Holstein ungewiss. Das Schiff, das früher für die Hamburger Wasserschutzpolizei im Einsatz war, befand sich zur Instandsetzung auf der Werft, um für den Museumsbetrieb vorbereitet zu werden. Verheerend auch der Brand an Schloss Hardenberg in Velbert-Neviges, einem Herrenhaus aus dem späten 17. Jahrhundert. Am 21. November zerstörte ein Vollbrand den Dachstuhl, das historische Treppenhaus und weitere Teile des Gebäudes, das seit 2005 saniert und 2025 fertiggestellt werden sollte. Es wird untersucht, ob gegebenenfalls die Bauarbeiten ursächlich für den Brand waren, Am 20. Dezember hat ein Feuer im Keller der früheren Stasi-Zentrale Teile der Sammlung des Museums „Runde Ecke“ in Leipzig zerstört. Das Feuer ist offenbar nicht durch Brandstiftung oder einen technischen Defekt ausgelöst worden, sondern vermutlich hat sich Material, das in einem der Magazinräume lagerte, selbst entzündet.

Was sind die typischen Ursachen für die Brände?

Naturkatastrophen (USA), Brandstiftung, Unachtsamkeit, Bau- und Reparaturarbeiten oder Selbstentzündung klingen nach höherer Gewalt oder zumindest nach niederem Zufall, wobei für letzteres besonders für Nitrofilme von vor 1950 gilt, die bereits ab ca. 38 °C entflammen können, mitunter sogar in luftdichten Dosen. Vor diesem Hintergrund könnte man die Brandvorkommen als unabwendbar betrachten. Tatsächlich fallen rund 50 Prozent der Brände hierzulande nicht unter die hier genannten Kategorien. Dies zeigen die Untersuchungen des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung – IFS. Das Institut führt etwa 2000 Brandursachenermittlungen pro Jahr durch und untersucht dabei im Wesentlichen Brände, die erhebliche Schäden in und an Gebäuden verursacht haben. Für den Erhebungszeitraum 2015 bis 2024 ergeben sich folgende Brandursachen: Elektrizität (30%) und menschliches Fehlverhalten (22%). Mit großem Abstand folgen Brandstiftung und Überhitzung (jeweils 9%), Sodann werden angeführt feuergefährliche Arbeiten wie zum Beispiel Schweißen (3%) sowie offenes Feuer, Explosion und Selbstentzündung (jeweils 2%). 21% der ausgewerteten Brandereignisse werden als „Sonstiges und unbekannt“ eingestuft. (Anm. 2) Ein relativ neuer, aber rasant wachsender Schadenstrend sind sog. Akkubrände, die inzwischen bereits rund 20% aller Elektrobrände ausmachen. Betroffen sind vor allem Geräte, die mit Lithium-Ionen-Akkumulatoren betrieben werden. Da der Ladevorgang einer der heikelsten Momente darstellt, sollte dies stets unter Beobachtung erfolgen. (Anm. 3)

Obacht gerade auch im Büro!

Archive, Bibliotheken und Museen sind in mehrfacher Hinsicht einem Brandrisiko ausgesetzt: Häufig sind die Kultur- und Gedächtniseinrichtungen in historischen Gebäuden untergebracht, bei denen der bauliche Brandschutz nur bedingt gewährleistet ist (Baustoffe, Fluchtwege, Brandabschnitte usw.). Sodann sind diese Einrichtungen vielfach mit aufwendiger und anfälliger Elektrotechnik ausgestattet, darunter Beleuchtung, Klimaanlagen und Vermittlungsstationen. Darüber hinaus sind die Büro- und Nutzräume der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielfach der Ausgangsherd von Bränden. Nach wie vor häufigste Brandursache in diesem Umfeld ist die Elektrizität. Veraltete Kaffeemaschinen oder Wasserkocher stellen eine Brandgefahr durch Kurzschluss dar. Das Risiko wird gesteigert durch Mehrfachsteckdosen, die ineinandergesteckt werden, wobei die zugelassene Maximalbelastung rasch überschritten werden kann. Büroküchen sind in brandschutztechnischer Hinsicht besonders heikle Orte: Überhitzte Töpfe, Topflappen auf der vermeintlich abgedrehten Platte, unbeaufsichtigte Elektrogeräte usw. „Defekte oder überlastete Elektroinstallationen und nicht gewartete elektrische Geräte zählen zu den Hauptverursachern von Bränden in Gewerbe- und Bürobetrieben. Um diesen Gefahren vorzubeugen, sollten Arbeitgeber das Ineinanderstecken von Mehrfachsteckdosen generell untersagen. Falls die Verwendung privater elektrischer Geräte nicht verboten wird, müssen diese vor der Inbetriebnahme und in regelmäßigen Abständen von einer Elektrofachkraft geprüft werden. Mitarbeiter sollten nicht benötigte Elektrogeräte jeden Abend ausschalten und nicht im Stand-by-Modus lassen; die sicherste Methode ist das Ziehen oder Ausschalten des Netzsteckers.“ Eine weitere häufige Ursache für einen Brand im Betrieb ist das menschliche Fehlverhalten – ob aus Unachtsamkeit, Fahrlässigkeit oder Unkenntnis. Die am besten geeignete Maßnahme zur Brandvermeidung und zur Bekämpfung des Fehlverhaltens ist die Unterweisung der Mitarbeiter. Dafür gibt es den Brandschutzbeauftragten, der bei Bedarf auch Fachleute der Feuerwehr hinzuziehen kann. Kulturbetriebe sollten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des für die Gefahr von Bränden sensibilisieren und sie zu „Augen, Ohren & Nasen“ des Hauses machen. Weitere Brandgefahren im Büro gehen von offenem Feuer aus (zum Beispiel Kerzen) oder von gestapelten Unterlagen, Ordnern und Verpackungen, die im Fall der Fälle nicht nur Brandlasten, sondern sogar Brandbeschleuniger sein können. Brandschutzfeste Aktenschränke können Abhilfe schaffen. Eine weitere Gefahrenquelle ist Tonerstaub im Drucker. Dieser leicht brennbare Stoff kann – zum Beispiel ausgelöst durch eine brennende Kerze – rasch zu einer Zündquelle werden. (Anm. 4)

„Auge, Ohr & Nase“: Brandschutz ernst nehmen!

Von den meisten Bränden in Kulturbetrieben erfahren wir nichts: Zu weit weg, zu unbekannt, zu klein. Gerne übersehen wir aber, dass es gerade in deutschen Einrichtungen recht häufig brennt. Dagegen kann man einiges tun. Zum einen durch die Fachleute: Grundlage aller Prävention ist der Vorbeugende Brandschutz, der den baulichen, den anlagentechnischen und den organisatorischen Brandschutz umfasst. Die entsprechenden Anforderungen sind in den Bauordnungen der Bundesländer formuliert. Allerdings: Nach der Installation ist vor der Wartung und Kontrolle: Alle Vorschriften zur regelmäßigen und gründlichen Überprüfung der Technik müssen unbedingt beachtet werden!

Was hausintern gemacht werden kann: Unterweisen Sie alle Mitarbeiter/innen Ihrer Einrichtung regelmäßig zu dem Thema. Von der Leitung bis zur Hilfskraft sollten alle die für den Brandschutz relevanten Einrichtungen, Strukturen und Abläufe kennen. Fragen Sie sich: Wissen alle im Hause, was im Falle eines Falles zu tun ist? Ist das Personal im Umgang mit Feuerlöschern geschult? Wie funktioniert die Alarmkette? Entsprechende Übungen und Schulungen gibt es. Nutzen Sie das Potenzial und entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter/innen zu „Auge, Ohr & Nase“ Ihres Hauses!

Berthold Schmitt, Herausgeber der Fachzeitschrift KulturBetrieb

Anm. 1: Vgl. Berthold Schmitt, Brände weiterhin hohes Risiko für Kulturbetriebe. Rückblick auf eine Dekade mit großen Verlusten, in: KulturBetrieb, eins 2025, S. 31-31.
Anm. 2: Vgl. Ursachenstatistik Brandschäden 2024; Quelle: www.ifs-ev.org/wp-content/uploads/2025/06/brandursachenstatistik_seite_2024.pdf; Abfrage: 12.02.2026
Anm. 3: Vgl. Berthold Schmitt, Jeder fünfte Elektrobrand wird durch einen Akkus ausgelöst. Wie halten Sie es mit der Brandprävention in Ihrer Kultureinrichtung?, in: KulturBetrieb, zwei 2025, S. 46-50; vgl. ferner: Brandrisiko Lithium-Ionen-Akku. Seit zehn Jahren steigt die Zahl der Akkubrände. Kritisch ist vor allem die Ladephase, in: IFS-Report, März 2024; Quelle: www.ifs-ev.org/archiv/report/ifs_report_2024_1.pdf; Abfrage: 12.02.2026
Anm. 4: Sarah Brüdigam, Die 5 größten Brandursachen im Büro, in: LapID, 09.12.2025; Quelle: blog.lapid.de/die-5-groe%C3%9Ften-brandursachen-im-buero; Abfrage: 12.02.2026

Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in KulturBetrieb, 2026, S. 46-49.

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