Vor zehn Jahren hat dieses Magazin erstmals auf Brände in Archiven, Bibliotheken, Museen u.a. kulturbewahrenden Einrichtungen im nationalen und internationalen Rahmen geschaut. (Anm. 1) Auch wenn diese Chronik keinerlei Anspruch auf systematische Erfassung aller Vorkommnisse erheben kann, zeichnet sich ein ernüchterndes Zwischenfazit ab: Die Zahl der Brandvorkommen bleibt erschreckend hoch!
Die Jahre 2015 bis 2023
2015 wurden neun Vorkommnisse gezählt, davon vier in Deutschland. 2016 waren es zwar `nur´ fünf Feuer, jedoch drei davon hierzulande. Deutlicher noch das Jahr 2017: Unter den insgesamt elf betroffenen Einrichtungen waren neun (!) deutsche. 2018 wurden 16 Vorfälle gemeldet, davon sechs hierzulande. Eine kleine Senke gab es 2019: Es brannte zwar nur elf Mal, davon jedoch mehr als die Hälfte (sechs) bei uns. Ganz bitter das Jahr 2020: Von insgesamt 18 Feuern haben elf (!) hierzulande gewütet. Ähnlich die Bilanz für 2021: Unter den 18 Feuern in Kulturbetrieben waren sechs deutsche Einrichtungen. 2022 wurden nur vier Brände gemeldet, davon aber drei in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden neun Vorkommen registriert, davon vier in der Bundesrepublik.
Und seither?
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 17 Brandvorkommen in Kulturbetrieben gemeldet, von denen sich sieben in Deutschland ereigneten. Den Anfang machte die Westernstadt Pullman City im bayerischen Eging am 22. Januar. Bemerkenswert das Ereignis im Deutschen Museum in München: Dort hat am 28. Juni eine starke chemische Reaktion dichten Nebel und Dampf ausgelöst, sodass die Feuerwehr ausrücken musste. Bei einem Großfeuer in Langballig / Schleswig-Holstein brannte am 1. Juli der Marxenhof von 1626 mit zwei historischen Gebäuden im Museumsdorf Unewatt komplett nieder. Dagegen wurde der Schwelbrand am Museumsschiff Gera in Bremerhaven am 23. Juli wohl durch Schweißarbeiten an der Außenwand des letzten erhaltenen deutschen Seitentrawlers ausgelöst. Während Langballig durch Brandstiftung einen Totalverlust zu beklagen hat, hatte das Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal Glück im Unglück: Am 19. August war auch dort ein Feuerteufel zu Gange, der aber „nur“ eine neben dem Gebäude stehende Bank anzündete. Und im Verwaltungsgebäude der Berliner Gemäldegalerie brannte es zwar nicht, aber dennoch musste am 24. August die Feuerwehr ran: Wegen einer geplatzten Fernwärmeleitung im Keller des Gebäudes in der Stauffenbergstraße waren rund 2,5 Millionen Liter Wasser ausgetreten, sodass das Wasser bis zu 20 Zentimeter hochstand. Im noch jungen Jahr 2025 wurden bereits drei Brände registriert. Verheerend die Brände in Kalifornien, bei denen am 8. Januar u.a. die Alto Beta Gallery in Altadena und die Los Angeles Public Library in Palisades zerstört wurden. Viel Glück hatten hingegen die Villa Aurora und das Thomas-Mann-Haus, die einst von Lion Feuchtwanger bzw. Thomas Mann bewohnt wurden. Die Buschfeuer verschonten die Gebäude, die aber aufgrund der immensen Schäden in der Umgebung vorerst geschlossen bleiben. Auch die Getty Villa und ihr Museum in Pacific Palisades ist der Katastrophe mit nur geringfügigen Schäden entgangen. Der Getty Trust teilte mit, die Feuerwehr habe modernste Luftbehandlungssysteme genutzt, um das Gebäude zu schützen. Wohl noch wichtiger: Zum einen wurden die Galerien mit einer doppelwandigen Konstruktion aus feuerfestem Travertinstein gebaut und zum anderen hat das Personal der Getty Villa kontinuierlich das Gestrüpp auf dem Gelände entfernt, sodass das Feuer kaum Nahrung gefunden hat. (Anm. 2) Erschütternd die Ereignisse in Paris: Dort stand am 27. Januar der Turm des Historischen Rathauses in Flammen. Die Brandursache ist noch unklar, aber aktuell stehen die Elektrogeräte und die laufenden Reparaturarbeiten am Dach im Mittelpunkt der Untersuchungen.
Wie steht es um die Ursachen von Feuern?
Brandstiftung, Naturkatastrophen und Schweißarbeiten. Das klingt nach höherer Gewalt oder zumindest nach niederem Zufall, sodass man geneigt sein könnte, das schadensverursachende Ereignis als unabwendbar zu betrachten. Tatsächlich aber fallen rund 50 Prozent der Brände hierzulande nicht unter diese Kategorie, der zufolge das Ereignis auch durch die äußerste, in vernünftiger Weise noch zu erwartende Sorgfalt nicht hätte vermieden werden können. Dies belegt die Statistik zur „Verteilung der untersuchten Brände in Deutschland nach Ursachen im Zeitraum 2002 bis 2023“: Elektrizität liegt mit 31% der Ursachen weit vorne, gefolgt von menschlichem Fehlverhalten mit 19%. Erst dann folgen mit großem Abstand Brandstiftung (9%), Überhitzung (9%), Feuergefährliche Arbeiten (3%), Offenes Feuer (3%), Selbstentzündung (2%), Explosion (2%) sowie „Sonstiges und unbekannt“ mit 21 Prozent. (Anm. 3)
Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung sieht in diesem Ursachenbild auch eine Chance für die Schadenverhütung, denn gegen Unachtsamkeit, Sorglosigkeit und Anwendungsfehler kann man etwas tun. Aber: „Doch es gibt auch relativ neue Schadentrends, die sich in der Statistik deutlich zeigen. So haben Akkubrände mittlerweile einen erheblichen Anteil an den Schadenfeuern durch Elektrizität. Grund ist nach Einschätzung des IFS vor allem die steigende Zahl der Geräte, die mit Lithium-Ionen-Akkus betrieben werden. Wegen der Brandgefahr, die mit diesem Akkutyp einhergeht, ist es besonders wichtig, die Herstellerangaben bezüglich der Handhabung zu beachten und sichtbar beschädigte Akkus nicht zu benutzen. (Anm. 4)
Archive, Bibliotheken und Museen sind in dieser Hinsicht einem dreifachen Risiko ausgesetzt: Häufig sind die Kultur- und Gedächtniseinrichtungen in historischen Gebäuden untergebracht, bei denen der sog. bauliche Brandschutz nur bedingt gewährleistet ist (Baustoffe, Fluchtwege, Brandabschnitte usw.). (Anm. 5) Sodann sind diese Einrichtungen vielfach mit aufwendiger und (siehe oben) anfälliger Elektrotechnik ausgestattet, darunter Beleuchtung, Klimaanlagen, Vermittlungsstationen und Büroausstattung. Und schließlich der sog. Faktor Mensch: „Der Kaffee aus der privat aufgestellten Maschine schmeckt einfach besser! Weshalb bei dem Gerät ab und an die Sicherung rausfliegt, weiß ich aber nicht.“ Oder: „Ach ich habe ganz vergessen Dir zu sagen, dass der Beamer in der Dauerausstellung neulich so komisch gerochen hat …“ Fühlt sich innerhalb des Teams jedermann und jederzeit für den optimalen Zustand der Einrichtung und ihrer Ausstattung verantwortlich?
Brandschutz kann man nicht ernst genug nehmen!
Von den meisten Bränden erfahren wir nichts: Zu weit weg, zu unbekannt, zu klein. Gerne übersehen wir aber, dass es gerade in deutschen Kulturbetrieben erstaunlich oft brennt. Und ganz unabhängig von den Ursachen: Grundlage aller Prävention ist der Vorbeugende Brandschutz, der den baulichen, den anlagentechnischen und den organisatorischen Brandschutz umfasst. Die entsprechenden Mindestanforderungen sind in den Bauordnungen der Bundesländer formuliert. Nach der Installation ist vor der Wartung und Kontrolle: Alle Vorschriften zur regelmäßigen und gründlichen Überprüfung der Technik müssen unbedingt beachtet werden. Und, ganz wichtig: Sensibilisieren Sie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses für die Gefahr von Bränden. Das Personal – besonders die Servicekräfte aus den Bereichen Kasse, Information, Aufsicht und Sicherheit – sind die „Augen, Ohren & Nasen“ des Museums. Ihre Kenntnis der organisatorischen Abläufe, der Stärken und Schwächen des Gebäudes bzw. seiner Technik sind wertvolle Informationen, die viel stärker abgerufen und genutzt werden sollten. Das aber setzt voraus, dass das Personal aktiv in die spezifischen Strukturen des Museums eingebunden wird. Wissen alle im Hause, was im Falle eines Falles zu tun ist? Ist das Personal im Umgang mit Feuerlöschern geschult? Wie funktioniert die Alarmkette? Entsprechende Übungen und Schulungen gibt es.
Dr. Berthold Schmitt, Herausgeber der Fachzeitschrift KulturBetrieb
Anm. 1: Vgl. Berthold Schmitt, Feuer bleibt erschreckend hohes Risiko für Kulturbetriebe. Auch 2020 wieder zahlreiche Brände zu beklagen, in: KulturBetrieb, eins 2021, S. 30 f.
Anm. 2: Flammen verschlingen Nachbarschaft in Los Angeles, doch ein bekanntes Haus überlebt, in: Focus Online, 10.01.2025; Quelle: www.focus.de/politik/ausland/feuerkatastrophe-flammen-verschlingen-nachbarschaft-in-los-angeles-doch-ein-bekanntes-haus-ueberlebt_id_260623751.html; Abfrage: 05.02.2025
Anm. 3: Vgl. Statista; Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/759420/umfrage/brandursachen-in-deutschland/; Abfrage: 05.02.2025
Anm. 4: Die häufigsten Brandursachen, in: IFS – Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung, 03.07.2023; Quelle: www.ifs-ev.org/die-haeufigsten-brandursachen/; Abfrage: 05.02.2025
Anm. 5: Vgl. Brandschutz vs. Baudenkmal?, in vorliegender Ausgabe von KulturBetrieb.
Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in KulturBetrieb, eins 2025, S. 30-32.




