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Übernachten im Museum

Von Massenunterkunft bis exklusiv

Museen u.a. kulturbewahrende Einrichtungen lassen sich allerlei einfallen, um aktuellen und künftigen Gästen etwas Besonderes zu bieten, z.B. die Lange Nacht der Museen. Einige bieten jedoch ab und an auch die Möglichkeit, eine ganze Nacht durch die Säle zu streifen und sogar dort zu schlafen.

„Bed & Breakfast“ der besonderen Art

Die Lange Nacht der Museen wird inzwischen weltweit gefeiert. Meist sind die Pforten von 18 Uhr bis Mitternacht oder mitunter auch bis zwei Uhr am Morgen geöffnet. Dann ist in der Regel Kehraus. Einige Museen bieten jedoch mehr, so z.B. das Natural History Museum in London. Mit rund 70 Millionen Stücken ist es eine der größten naturkundlichen Sammlungen der Welt. Obwohl das Haus mit ca. 14.000 Gästen pro Tag (!) keinen Mangel an Zulauf hat, veranstalten die Verantwortlichen in unregelmäßigen Abständen sog. „Dino Snores for Grown-ups“. Bei Musik und Drinks flanieren die Besucher ab 19 Uhr durch die Sammlungen, sind kreativ in Malkursen, sehen Kinofilme, hören wissenschaftliche Vorträge, besuchen Workshops für das Dichten von Limericks oder verkosten Mehlwürmer, Larven, Heuschrecken u.a. Insekten. Bis zu 200 Menschen verbringen auf diese Weise eine Nacht in dem weitläufigen Gebäude. Die Isomatte wird gestellt, den Schlafsack bringt der Gast selbst mit und sucht sich einen geeigneten Platz zum Schlafen, z.B. unter dem Skelett eines Blauwals. Die Veranstaltungen sind über Monate ausgebucht. (Anm. 1)

Von der Ausnahme bis zum ständigen Angebot

Auch andere Häuser bieten die Möglichkeit zur Übernachtung. So durften in diesem Jahr anlässlich des 30. Geburtstages der Glaspyramide vor dem Louvre zwei Gäste in der Architektur von Ieoh Ming Pei schlafen. Die Übernachtungsplattform Airbnb und der Louvre haben die beiden Tickets verlost. (Anm. 2) Im Herbst 2018 haben neun Gymnasiasten eine Nacht im Düsseldorfer Kunstpalast verbracht. Nachdem das Bettenlager im Museumsatelier bezogen ist, geht es in die Sammlungen: „Eine exklusive Nachtführung durch die Sammlung beginnt. Wie schimmern die kunstvollen Glasskulpturen im Schein der Taschenlampe? Im Rubenssaal tasten die Kinder mit ihren Lichtkegeln die wertvollen Gemälde ab und entdecken viele Details zwischen Adonis und Venus.“ (Anm. 3) Das Deutsche Museum in München öffnet seine Pforten sogar zwei Mal im Jahr für Nachtschwärmer, besonders für Familien: „Nachts hat man eine ganz andere Wahrnehmung“, erklärt Verena Ludwig die Idee hinter der Pyjama-Party im Museum. `Es geht dabei gar nicht so sehr um die Ausstellung, sondern darum, das Museum als besonderen Ort zu erleben.´ (…) Ganz frei bewegen können sich die Übernachtungsgäste natürlich nicht. Mindestens ein Mitarbeiter des Museums ist immer dabei und stellt sicher, dass niemand verloren geht. (…) Den reibungslosen Ablauf der Übernachtungen haben Museum und KJR auch dem Engagement ihrer Mitarbeiter zu verdanken. Viele machen für die Übernachtung freiwillige Überstunden, auch Ehrenamtliche verstärken das Team. `Es gibt eine große Bereitschaft, das zu unterstützen, sonst würde es nicht funktionieren´, weiß auch Organisatorin Ludwig.“ (Anm. 4)
Während `Nachts im Museum´ für die Mehrzahl der Häuser nur ein gelegentliches Vergnügen ist, bietet das Haus Schminke regelmäßige Übernachtungen an. 250 Euro kostet die Nacht für bis zu zwei Personen in der von Hans Scharoun zwischen 1932 und 1933 errichteten Villa im sächsischen Löbau. Die Nutzung der großenteils im Original erhaltenen Frankfurter Küche ist eingeschlossen. Das Gebäude, gerne auch `Nudeldampfer´ genannt, gilt in der internationalen Fachwelt als eines der vier wichtigsten Wohnhäuser der Klassischen Moderne weltweit. (Anm. 5)

Und wie ist die Stimmung es am Morgen danach im Natural History Museum in London? „Jetzt sieht sie wieder fröhlich aus, die große Übernachtungsparty; mit all den Leuten in ihren Dino-Schlafanzügen und Monster-Kuscheldecken. Vor dem großen, stillen Mond macht eine Gruppe Morgenyoga. Wie im Schullandheim schlurft man zum Klo, putzt Zähne, wäscht sich den Schlaf dieser unwirklichen Nacht aus den Augen. Und aus dem T-Rex-Grill strömt der Duft von starkem Kaffee.“ (Anm. 5)

Anm. 1: Verena Lugert, Pyjamaparty mit T-Rex, in: Die ZEIT, 11. Juli 2019, S. 53.
Anm. 2: Vgl. Airbnb und Louvre laden zur Übernachtung im Museum. Zum 30. Geburtstag der Louvre-Pyramide dürfen zwei Gäste in dem berühmten Pariser Museum übernachten, in: monopol. Magazin für Kunst und Leben, 03.04.2019; Quelle: https://www.monopol-magazin.de/airbnb-und-louvre-laden-zur-uebernachtung-im-museum; Abfrage: 11.07.2019
Anm. 3: Schüler übernachten im Düsseldorfer Kunstpalast, in: WDR, 24.11.2018; Quelle: https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/nachts-im-museum-100.html; Abfrage: 17.07.2019
Anm. 4: Annika Schall, Große Übernachtung: Nachts im Deutschen Museum, in: Münchner Abendzeitung, 13.02.2018; Quelle: https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.wenn-kindertraeume-wahr-werden-grosse-uebernachtung-nachts-im-deutschen-museum.ff1c23de-9f50-4dd2-95c1-d67e06409339.html; Abfrage: 17.07.2019
Anm. 5: Haus Schminke; Quelle: https://www.stiftung-hausschminke.eu/; Abfrage: 17.07.2019
Anm. 6: Lugert, Pyjamaparty mit T-Rex, a.a.O.

Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in KulturBetrieb, zwei 2019, S. 54.